Wird wahre Völkerfreundschaft auf der deutschen Agenda stehen?

Werden die Deutschen dieses Mal Gerechtigkeit und Versöhnung bringen? - fragen auch diese zwei KwheKwhe, die Teil des Volkes der San sind, und in der Nähe von Omaruru, Namibia, leben. Foto: Vinesh Rajpaul

PROLOG: Wie sich herausstellte, verhandelte Deutschland nur mit einem bestimmten Segment von zwei der betroffenen Völker und ließ das seinerzeit von der Deutschen Schutztruppe ebenfalls massiv dezimierte Volk der San ("Buschmänner") komplett außen vor. Außenminister Heiko Maas scheint in eine Falle getappt zu sein, die von einigen Herero mit Verbindungen zu mächtigen Politikern und Beamten der Regierung Namibias aufgestellt wurde, in der Absicht, das Geld abzuschöpfen. Es ist eine nicht enden wollende Saga, wie Deutschland mit dieser Situation umgeht, die seit dem Ende des Ersten Weltkriegs auf eine Lösung wartet und seit der Beendigung des Zweiten Weltkrieges sowie des Kaltn Krieges drängte, während die Welt sich mit dem gegenwärtigen weltweiten Bio-chemischen Krieg und dem wirtschaftlichen Ansturm der globalisierten Monopolisten bereits im Dritten Weltkrieg befinden. Sogar die meisten "Exponate" - d.h. Überreste von zu Beginn des 20. Jahrhunderts massakrierten Menschen, die auf namibischen Boden zurückgebracht werden sollten - ruhen immer noch in deutschen Museen und Sammlungen. Die offizielle Anerkennung des tatsächlichen Völkermordes ist ein wichtiger Schritt nach vorne, aber jetzt muss Deutschland es richtig machen. Und das hat die Bundesregierung erst einmal nicht getan, als letzten Monat der Vertreter der namibischen Zivilgesellschaft, Herr Kaunatjike, der sich in offizieller Mission in Berlin und Deutschland aufhielt, von Bundeskanzlerin Angela Merkel's Afrikabeauftragtem Günter Nooke schwer beleidigt wurde. Mit Nooke im Team werden Frank-Walter Steinmeier und Heiko Maas nichts erreichen. Elefanten vergessen nie und die Indigenen Völker Namibias vergessen auch nicht, aber ob die San-Buschmänner, die Ovaherero und die Namaqua jemals verzeihen können, wird davon abhängen, ob es Afrika-erfahrene Menschen in der deutschen Delegation gibt, denen eine echte Völkerfreundschaft und nicht nur ein finanzielles Ränkespiel am Herzen liegt, und auch von der Überbringung einer echten Versöhnungsbotschaft unter Verzicht auf die üblichen politischen Ober- oder Untertöne. Die San wurden aufgrund ihrer kleinen Statur von vielen der weißen Kolonialisten im südlichen Afrika - besonders auch der holländischen Buren und der Engländer - bis zum Ende des Ersten Weltkriegs oft noch nicht einmal als Hominiden angesehen und es wurden für  ihre Tötung tatsächlich Jagdprämien für "Ungeziefer" gezahlt. Lebt diese grauenhafte Ungerechtigkeit jetzt fort? Ist das der Grund, warum die Deutschen die San noch nicht einmal in die Mission mit aufgenommen haben? Die San sind die älteste noch lebende Ethnie des Homo sapiens - soll der Völkermord an ihnen weitergehen? Höchste Zeit, auch mit den verbliebenen traditionellen Buschmann Kommunen, wie den Ju/'Hoansi oder KhweKhwe echten Frieden zu schließen - und das gilt auch für die Regierung Namibia's und die anderen Völker.

Herero-Chief kündigt Massenproteste gegen Steinmeier-Besuch an

Stammesoberhaupt der Herero, Paramount Chief Vekuii Rukoro (Archivbild aus dem Jahr 2015)
Volksoberhaupt der Herero, Paramount Chief Vekuii Rukoro (Archivbild aus dem Jahr 2015) Bild: Picture-Alliance

Von AFP/FAZ - 

Der oberste Herero kündigt Massenproteste gegen den Besuch von Frank-Walter Steinmeier in Namibia an, falls der Bundespräsident im Parlament in Windhoek für den Völkermord an den Herero und Nama um Vergebung bitten sollte.

Der traditionelle Herero-Chief Vikuii Reinhard Rukoro hat Massenproteste gegen den geplanten Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Windhoek angekündigt. Bei dem Besuch soll das Staatsoberhaupt offiziell um Vergebung für die deutschen Kolonialverbrechen im heutigen Namibia bitten. Sollte Steinmeier die Bitte um Entschuldigung im namibischen Parlament aussprechen, würden Oppositionspolitiker den Saal verlassen, sagte Rukoro der Bild-Zeitung vom Samstag. Zudem werde es vor dem Gebäude Massendemonstrationen der Herero und Nama geben.

„Ich werde Deutschland bloßstellen“, sagte Rukoro, der zu den führenden Kritikern des Versöhnungsabkommens zwischen Deutschland und Namibia zur Aufarbeitung der blutigen deutschen Kolonialgeschichte gehört. Er wolle Deutschland „der Peinlichkeit aussetzen, dass sie ein Abkommen geschlossen haben über den Genozid an Hereros und Namas, das ratifiziert wurde von einem Parlament, das aus Swapo-Leuten und Ovambos besteht, die nichts über den Genozid wissen“, führte Rukoro aus.

KOLONIALVERBRECHEN IN NAMIBIA: Noch ein weiter Weg zur Versöhnung

Das in der vergangenen Woche bekannt gewordene Versöhnungsabkommen, in dem Deutschland erstmals die Gräueltaten sogenannter deutscher Schutztruppen an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 als Völkermord anerkennt, hatte unter Opfergruppenvertretern in Namibia eine Welle der Kritik ausgelöst. In dem südwestafrikanischen Land gibt es jedoch auch Chiefs mehrerer Herero- und Nama-Gemeinschaften, die das Abkommen unterzeichnen wollen. Geplant ist, dass Steinmeier im Zuge des Versöhnungsprozesses nach Namibia reist und dort im Namen Deutschlands offiziell um Vergebung bittet. Ein Termin für den Besuch steht noch nicht fest. Das Abkommen muss vom namibischen Parlament noch ratifiziert werden.

Forderungen auch für Hereros in Botsuana

Vertreter der Herero und Nama beklagen unter anderem eine mangelnde Beteiligung von Opfergruppenvertretern an den Verhandlungen zwischen Berlin und Windhoek. Auch kritisierten sie, dass Deutschland den Nachfahren der Opfer keine direkte Entschädigung zahlt.

In dem Versöhnungsabkommen sind deutsche Wiederaufbauhilfen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro vorgesehen, die über einen Zeitraum von 30 Jahren ausgezahlt werden und vorrangig in soziale Projekte in den Siedlungsgebieten der Herero und Nama fließen sollen. Reparationen lehnt die Bundesregierung jedoch ausdrücklich ab. Sie vertritt den Standpunkt, dass sie rechtlich keine Verantwortung für den Völkermord übernehmen könne, weil die betreffende UN-Völkermordkonvention erst 1948 beschlossen worden sei.

Vor wenigen Tagen forderte Botsuanas früherer Präsident Ian Khama, dass auch die Hereros in Namibias Nachbarland von dem Geld profitieren sollten. In einem Interview mit der Zeitung The Namibian sagte er: „Es liegt nicht im Ermessen des namibischen Parlaments, sondern vielmehr bei der Regierung Botsuanas, sicherzustellen, dass Hereros auch in unserem Land von der Geste profitieren, die die deutsche Regierung angeboten hat.“

Namibia – damals Deutsch-Südwestafrika – war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Aufstände der Herero und Nama schlugen die deutschen Kolonialtruppen brutal nieder. Später ordnete der damalige deutsche Gouverneur Lothar von Trotha die planmäßige Vernichtung der beiden Volksgruppen an. Historiker sprechen vom ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

Quelle: marf./AFP

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Anmerkung der Redaktion: Der Verfasser des folgenden Artikels ist ein Kritiker, der - obwohl er was das Vorgehen Berlin's anbelangt oft Recht hat - in vielen Teilen grobe Fehler macht, was seinen Beitrag als billige Propaganda disqualifiziert. Ihm sei ins Stammbuch geschrieben, dass tatsächlich nur mit der Wahrheit und einer vollständigen Aufarbeitung der Geschichte eine Versöhnung stattfinden kann. 

Herero und Nama

Tür und Tor geöffnet

Von Albrecht Rothacher "Junge Freiheit" - 05. Juni 2021

Rund 1,1 Milliarden Euro an Entschädigungen sollen es also sein, die die Bundesrepublik über die nächsten 30 Jahre nach Namibia überweisen will. Nach längeren Verhandlungen spricht die Bundesregierung nun erstmals von einem Völkermord an den Herero und Nama. Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte dazu: „Wir werden um Vergebung bitten.“ Das Abkommen soll im Juni unterzeichnet werden, die Parlamente beider Länder müssen es dann noch ratifizieren.

Teilnehmer an einer Kundgebung nach der Namibia-Entscheidung der Bundesregierung Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Paul Zinken

Schon wenige Tage nach der Vollzugsmeldung regte sich Widerstand – von seiten der Herero und Nama. Eine Entschuldigung genüge nicht, mehr Geld in Form von Reparationen müsse her. Zudem sei unklar, ob die Mittel überhaupt bei ihnen ankämen. Politisch tonangebend in Namibia ist seit der Unabhängigkeit 1990 der Stamm der Ovambos, die größte Volksgruppe Namibias, die die herrschende Staatspartei Swapo dominieren. Die Nama machen nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung aus, die Herero rund 7,5 Prozent. Zwischen den Gruppen herrscht Zwietracht, Streit scheint vorprogrammiert.

Sind die Ansprüche überhaupt berechtigt?

Eine ganz andere Frage blieb in den Diskussionen meistens außen vor: Sind die Ansprüche überhaupt berechtigt? Hat tatsächlich eine deutsche Schutztruppe von knapp 1.600 Mann und zwölf Maschinengewehren Anfang des 20. Jahrhunderts über 65.000 Hereros und Nama im Süden in der Kalahari-Wüste eingekesselt und ausgerottet? Der historische Wahrheitskern ist vielmehr folgender: Die Herero hatten durch eine Seuche viele Rinder verloren. Einer ihrer Häuptlinge namens Maharero machte die deutschen Kolonisten dafür verantwortlich („Tötet alle Deutschen“), woraufhin sie 123 Siedler, Händler, Missionare und ihre Familien massakrierten. [N.B.: Albrecht Rothacher schmeisst hier die 1896 von den Kolonialisten in Afrika eingeschleppte Rinderpest, die als Emidemie Windhoek am 6. April 1897 erreichte und Verheerung bei den Viehnomaden des südlichen aber auch des östlichen Afrika (z.B. bei den Maasai) anrichtete und darüber hinaus auch die einheimischen und wild lebenden Büffelbestünde vernichtete mit dem Zeitraum des Deutschen Genozid an den drei Indigenen Völkern in den Jahren 1904 bis 1908 - also 10 Jahre später - durcheinander. Der Ausbruch der Rinderpest in den 1880/90er Jahren tötete schätzungsweise 80 bis 90 % aller Rinder im östlichen und südlichen Afrika sowie am Horn von Afrika und war evtl. sogar der erste Völkermord in Afrika mit biologischen Waffen. Die Rinderpest wurde auch im Programm des Vereinigten Königreichs selbst noch während des Zweiten Weltkriegs als biologische Waffe in Betracht gezogen.]

Der Chef der deutschen Schutztruppe, Generalleutnant Lothar von Trotha, meldete trotz besseren Wissens bombastische Siege, die keine waren, und pflegte dazu eine sehr militante Sprache, um sich in Berlin besser zu verkaufen. Jene Meldung wird bis heute für bare Münze genommen und ungeprüft als inkriminierendes Beweismaterial genutzt. Lothar von Trotha ließ einige der Übeltäter aufhängen, dann kam es zur Schlacht am Waterberg.

Die Herero und Nama zogen sich mit ihrem Vieh durch die Omaheke-Wüste, wo sie alle Wasserstellen kannten, nach Norden, Westen und dem britischen Betschuanaland zurück. Bei diesem Rückzug kamen viele Menschen durch Durst ums Leben, wie viele bleibt nach wie vor völlig unklar. Ein leidvolles und tragisches Ende war dies allemal, das Vorgehen von Trothas unverantwortlich, ein absichtsvoller Genozid sieht jedoch anders aus.

Britische Propaganda

Die Briten hatten seinerzeit die fatale Angewohnheit, alle ihre kolonialen Rivalen, gleich ob Belgier, Spanier, Portugiesen, Franzosen, Niederländer oder Deutsche mit üblen publizistischen Denunziationen zu überziehen, um ihre eigenen Übeltaten vergessen zu machen und ihre weiteren imperialen Begehrlichkeiten moralisch zu untermauern. Sie störten in Ost- und Südafrika besonders die deutschen, belgischen und portugiesischen Kolonien.

Im Falle von Deutsch-Südwest wurde diese Propaganda, die nach dem Ersten Weltkrieg wieder eingestellt wurde, 50 Jahre später von DDR-Agitatoren weidlich ausgeschlachtet. Heute macht dies unermüdlich der Kolonialhistoriker Jürgen Zimmerer von der Univeristät Hamburg, der eine Kontinuität von jenen angeblichen Kolonialverbrechen zum Holocaust behauptet und für diesen geistigen Unsinn ohne die Spur eines Beweises natürlich jede Menge gewünschter Publizität bekommt.

Neben der Räumung aller Übersee-Museen von Artefakten zurück in Länder, die von Kabul bis Timbuktu weder sichere Museen noch ein großes Interesse an ihrer vormodernen, geschweige denn vorislamischen Vergangenheit haben, zieht Berlin die Geldbörse. Dies dürfte Deutschlands europäische Partner, aber auch Russen, Chinesen, Türken, Amerikaner und Japaner wenig erfreuen, die sich nun ähnlicher um etliche Dezimalstellen erhöhter Begehrlichkeiten ausgesetzt fühlen dürften.

Berliner Blase

Der politisch-medialen Masochisten-Kultur der Berliner Blase scheint diese Konsequenz jedoch genauso gleichgültig zu sein wie das Bemühen um eine sehr überschaubare und eindeutige historische Wahrheit. Selbstgerechtes Gutmenschentum beherrscht das „Narrativ“. Deshalb scheint es jenen Scheinheiligen auch völlig unerheblich, in welchen korrupten Kanälen jene Sühnezahlungen versanden werden.

Auf die nächsten Ansprüche kann man gespannt sein. Griechenland und Polen agitieren schon lange lautstark. Bislang lehnt die Bundesregierung Reparationszahlungen ab. Doch wie lange noch? Auch die postkolonialen Debatten werden nicht leiser. Muß Deutschland noch einmal für das Postamt in Tsingtao zahlen, für Postschiffe in Samoa, für das Ende des Kannibalismus auf Papua-Neuguinea, für Musterfarmen in Kamerun und Togo, oder für Eisenbahnen in Tansania? Oder gar für die Ostkolonisation von Pommern bis Ostpreußen über Schlesien bis Siebenbürgen?

Dem Berliner Exkulpationswahn scheinen Tür und Tor geöffnet. Schon vor 20 Jahren war es dem damaligen grünen Außenminister Joschka Fischer bei einer Anti-Rassismuskonferenz in Durban (Südafrika) ein Anliegen, sich für die deutsche Teilhabe am Sklavenhandel formal zu entschuldigen. Eine Aktivität, an der Deutsche im Gegensatz zu Arabern, Zentralasiaten, Türken, nordafrikanischen Korsaren und den seefahrenden Westeuropäern nicht die geringste Teilhabe hatten. Im Berliner Narrenschiff ist jedoch auch heute weiterhin alles möglich. Hier sitzen eben freiwillige Selbstbezichtiger an den Schalthebeln der Macht.

JF 23/21